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Ein Kommentar zur Bundestagswahl: KLJB ist bunt - und wir sind bei den #87Prozent, die sich "nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehen."

29.09.17

#87Prozent - „Aufstehen, aufeinander zugehen!“

Jetzt ist es Wirklichkeit: Es werden Abgeordnete in unseren 19. Deutschen Bundestag einziehen, die zum Teil durch fremdenfeindliche und nationalistische Äußerungen aufgefallen sind oder sogar vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Die KLJB-Landesvorsitzende Regina Ganslmeier hat sich Gedanken gemacht, denkt an unsere tägliche Jugendarbeit wie den "Praxistag Integration" - und kommt auf das schöne Kirchenlied „Aufstehen, aufeinander zugehen!“

 

Was an diesem Wahlsonntag Wirklichkeit geworden ist, hat sich bereits im Wahlkampf, aber auch bei den vorausgegangenen Landtagswahlen abgezeichnet. In Bayern holte die AfD 12,4 % und in meiner Heimatgemeinde sogar über 16 %. In manchen anderen Bundesländern hat sogar jeder Vierte die AfD mit der Zweitstimme gewählt. Im Vergleich zur letzten Bundestagswahl hat die CDU/CSU mehr Prozentpunkte verloren als die SPD und dennoch liegt der Auftrag zur Regierungsbildung bei der aktuellen und vermutlich auch zukünftigen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 

Ein Gefühlschaos in mir und in vielen von uns

„Es hätte noch viel schlimmer kommen können“ höre ich in meinem Arbeitsumfeld, wenn es um dieses Ergebnis geht. Es ist schlimm, was in Deutschland passieren konnte, eine offensichtlich rechtsextreme Partei hält nach über 65 Jahren wieder Einzug in unseren Bundestag. Das Schlimmste jedoch, über 60 % der Wählerinnen und Wähler tun dies nicht aus Überzeugung für die Parteiinhalte, sondern aus Enttäuschung über die im Bundestag vertretenen Parteien. Ebenso haben viele Nichtwähler die AfD gewählt.

Ich habe dazu sehr viele gemischte Gefühle. Zum einen bin ich ernüchtert darüber, dass Hass und Diskriminierung zum anscheinend „normalen Alltagsgeschäft“ werden. Zum anderen wütend über die Themensetzung der AfD im Wahlkampf, der die demokratischen Parteien wohl zu wenig entgegenzusetzen hatten. Für mich als Jugendverbandlerin wohl das Traurigste, die politische Bildung hat deutlich versagt. Genau an diesem Punkt heißt es jetzt, dranbleiben und nicht lockerlassen. Wir müssen die Stimme der 87 % sein, die für ein offenes und buntes Deutschland gestimmt haben. Ich wünsche mir, dass eine Abgrenzung zur AfD wieder durch Inhalte passiert und dass die Parteien den Menschen Themen anbieten, die sie wirklich beschäftigen und die ihnen Mut machen für eine demokratische Zukunft.

 

„Aufstehen, aufeinander zugehen“

Bis zur Landtagswahl liegt es an uns, die Menschen in Bayern von der Bedeutung der Menschlichkeit und dem Glück, in einem demokratischen Land leben zu dürfen, zu überzeugen. Wir dürfen rechten Parolen keinen Raum bieten und müssen aufstehen für Gleichbehandlung und gegen Rechtsextremismus.  

Die Zukunft gehört der Jugend, den jungen Menschen, egal welcher Religion oder Weltanschauung sie angehören. Dafür hat die KLJB Bayern ihre Weichen schon beim gelungenen Praxistag Integration gestellt. Wir wollen auf die Menschen zugehen und gemeinsam für eine gelungene Vielfalt in Bayern arbeiten!

So, wie es das wunderschöne Kirchenlied ausdrückt:

„Aufstehen, aufeinander zugehen und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehen“

 

Regina Ganslmeier, KLJB-Landesvorsitzende

 

 

„Ich bin glücklich auf dem Land, weil do immer wos los is!“
Tobias