Biblische Fotostory

Das Brot der Versuchung - innovative Bibelarbeit

Eine biblische Fotostory? Diese Idee wurde Anfang November von einer Gruppe von elf jungen Erwachsenen umgesetzt. Sie wählten nach intensiver inhaltlicher Auseinandersetzung mit mehreren biblischen Liebesgeschichten die tragische Erzählung von Simson und Delila.

 

Mit verschiedenen methodischen Einheiten fühlte sich die Gruppe in die Geschichte ein, entwickelte ein Storyboard mit passenden Dialogen und stellte Überlegungen zu Kostüm und Requisite an. So entstand nach und nach die Version, die betrachtet werden kann, wenn ihr dem folgenden Link folgt: Bäcker Simson wird von der schönen Delila eingewickelt, um das Geheimnis seines Erfolgs gebracht und ruiniert.

 

Doch was hat das nun mit der biblischen Geschichte zu tun?

 

Simson und Gott - eine enge Beziehung


Simson und Delila ist eine der am Häufigsten in Filmen oder Büchern umgesetzten Geschichten des Alten Testaments. Meistens geht es darum, dass der starke Held des Volkes Israel, Simson, von seiner hinterhältigen Frau Delila an ihr Volk verraten wird - Philister (ein Israel feindlich gesonnenes Volk, das etwa im Gebiet des heutigen Gazastreifens siedelte). Doch wer ist dieser Simson eigentlich? Simson erscheint im Buch der Richter (Kap. 13-16) zunächst als roher Kraftmensch, der seine übermenschliche Stärke auf sehr abenteuerliche Weise gegen die Philister richtet. Seine Kraft hat er allerdings nicht aus sich heraus, sondern weil er von Geburt an dem Gott Israels als Nasiräer geweiht war. Ein Nasiräer ist im Judentum ein Mensch, der Gott gegenüber einen besonderen Eid leistet. Nach dem biblischen Buch Numeri 6 verzichtet ein Nasiräer auf Alkohol, darf sich keiner Leiche nähern und schneidet sich weder Haare noch Bart. Darüber hinaus hören wir zweimal, dass Simson sich in bedrängter Lage an Gott wendet und erhört wird (15,18; 16,28). So wird deutlich, dass Simson v.a. als Instrument Gottes handelt. Dieses Zentralmotiv des für und nach dem Willen Gottes Handelns wird auch in der Fotostory aufgegriffen: So wie Simson in der biblischen Geschichte seinen Eid als Nasiräer (unfreiwillig) bricht, so kommt dem Bäcker Simson (ebenso unfreiwillig) das Unterpfand seiner Verbindung zu Gott abhanden. So wie der biblische Simson im Vertrauen auf Gott ein letztes Mal seine Kraft findet und Verderben über seine Feinde bringt, so schöpft unser Simson aus eben einem solchen Gottvertrauen die Kraft zu einem völligen Neuaufbruch.

 

Verräterin oder Heldin?


Noch ein Wort zu Delila: Nicht selten wird sie dargestellt als die selbstsüchtige, hinterlistige Verführerin. In der Beschäftigung mit dem Text hat sich der Gruppe aber noch einmal eine andere Perspektive erschlossen: Delila ist ja Philisterin - und was aus der Sicht Israels als gemeiner Verrat erscheint, ist aus der Perspektive der Philister/-innen eine Heldentat. Eine Heldentat wie sie übrigens auch die biblische Tradition kennt. Man lese nur einmal die Geschichte der Jüdin Judith und des assyrischen Feldherren Holofernes (Buch Judith). Vieles ist eben doch eine Frage der Perspektive - auch in der Bibel.

 

Hier die Fotostory dazu:

„Ich bin glücklich auf dem Land, weil man do d’Weißwurst no vor 12e isst.“
Stefan