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Rollenspiel: "Wie im richtigen Leben"

Rollenspiel: "Wie im richtigen Leben"

ABLAUF

Die Teilnehmer/-innen stellen sich nebeneinander auf. Alle erhalten ein Rollenkärtchen. In den nächsten drei Minuten stellen sich die Teilnehmer/-innen innerlich auf ihre Rollen ein. Sie können das Team fragen, wenn ihnen zur Rolle etwas nicht klar ist. Die Spielleitung kündigt an, eine Reihe von Fragen zu stellen. Alle Teilnehmenden sollen nach jeder Frage überlegen, ob sie in ihrer Rolle die Frage mit "Ja" beantworten können – dann gehen sie einen Schritt vorwärts – oder ob sie mit "Nein" antworten müssen – dann bleiben sie bei dieser Frage stehen. Es geht dabei um eine subjektive Einschätzung, die wichtiger ist als Wissen und sachliche Richtigkeit.

Die Spielleitung übernimmt nun auch eine moderierende Rolle. Bei der Moderation kommt es darauf an, die Spieler/-innen immer wieder zu fragen, warum sie einen Schritt nach vorn gegangen sind oder warum sie stehen geblieben sind. Besonders bei großen Gruppen können nicht immer alle nach jedem Schritt gefragt werden, das würde zu lange dauern. Als Orientierung sollten nach jedem Schritt durchschnittlich drei Personen gefragt werden. Bis zum vierten Schritt sollten alle Teilnehmenden mal dran kommen und, wenn sie das erste Mal sprechen, auch sagen, welche Rolle sie spielen.

 

ZIELE

     

  • erfahren, wie Rassismus und Diskriminierung die Entfaltungsmöglichkeiten eines Menschen beschneiden;
  • die ungleiche Verteilung von Rechten und Chancen (nach Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Aussehen, Alter, Gesundheit, Ausbildungsniveau…) und ihre Auswirkungen im Leben herausarbeiten;
  • sich probeweise in die Rolle von Schwachen und Starken in der Gesellschaft hineinversetzen;
  • Konkurrenz zum Thema machen.
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BEDINGUNGEN

     

  • Zeit: ca. 60 Minuten
  • TeilnehmerInnen: 6–16
  • Raum: Alle Teilnehmer/-innen müssen sich nebeneinander stellen und mindestens acht Meter nach vorne gehen können.
  • Material: Für alle Teilnehmer/-innen je ein vorbereitetes Rollenkärtchen.
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Spielfragen

Kannst du...

     

  • eine KFZ-Haftpflichtversicherung abschließen?
  • einen Urlaub in deiner Heimat verbringen?
  • beim Versuch, einen Diebstahl anzuzeigen, faire Behandlung von der Polizei erwarten?
  • ein Bankdarlehen zur Renovierung einer Mietwohnung bekommen?
  • eine Familie planen?
  • zahnärztliche Behandlung bekommen, wenn du sie möchtest?
  • dich nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße sicher fühlen?
  • Sympathie und Unterstützung von deiner Familie erwarten?
  • fünf Jahre im Voraus planen?
  • eine Lebensversicherung abschließen?
  • deine Partnerin/deinen Partner auf der Strasse küssen?
  • im örtlichen Tennisverein Mitglied werden?
  • bei der nächsten Kommunalwahl wählen?
  • ohne Probleme in jede Disko kommen?
  • deinen Vermieter um Hilfe bitten, wenn deine Nachbarn ständig nachts lärmen?
  • Deinen Wohnort frei wählen?
  • dein nächstes Kind im städtischen Kindergarten anmelden?
  • offen und ohne Probleme deine Religion leben?
  • davon ausgehen, dass du oder deine Kinder in der Schule nicht diskriminiert werden?
  • als Honorarkraft in der Jugend-/Erwachsenenbildung arbeiten?
  • Leiter/-in des Volkshochschulverbandes/der Abteilung Bildung/dieser Schule werden?
  • es dir leisten, auf einer Hochschule zu studieren?
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Auswertung

Nach der letzten Frage bleiben alle Teilnehmer/-innen für den ersten Teil der Auswertung in ihrer Rolle an ihrem Platz:

     

  • Wie hast du dich in deiner Rolle gefühlt?
  • Wie ist es, als Erste/r am Ziel zu seinWie ist es, immer nicht voran zu kommen?
  • Welche Fragen sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?
  • Bei welchen Fragen kamt ihr voran/nicht voran?
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Vor dem zweiten Teil der Auswertung gibt ein kurzes, schnelles Bewegungsspiel oder einfaches "Ausschütteln" Gelegenheit, wieder aus den Rollen herauszufinden. Die weitere Auswertung kann in einem Stuhlkreis im Plenum oder in Kleingruppen erfolgen. Es bietet sich an, Kleingruppen danach einzuteilen, ob die Teilnehmer/-innen eher vorn, in der Mitte, oder ganz hinten gestanden haben.

 

Nun soll die Spielerfahrung mit der Realität verglichen werden:

     

  1. Wie wurdet ihr in eurem Handeln in den jeweiligen Rollen beschränkt?
  2. Was habt ihr über die Lebensbedingungen von verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft erfahrenWas war euch unklarWarum kommen Menschen voran bzw. nicht voran(Bedeutung von Pass, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter, Religion und sozialer Status)
  3. Welche Möglichkeiten zur Veränderung ihrer Situation haben die verschiedenen GruppenWorauf haben sie keinen Einfluss?
  4. Was sollte sich ändernWas können wir ändern
  5.  

 

Das Team sollte die Ergebnisse der Diskussion an der Wandzeitung dokumentieren.

 

Rollenkärtchen

Hinweis: Diese vorgeschlagenen Rollen sind Beispiele. Je nach Zusammensetzung der Gruppe müssen einige oder viele der Rollen verändert oder ersetzt werden. Es ist wichtig, das Spiel gut vorzubereiten und sowohl die Rollen als auch die Fragen auf die Seminargruppe sowie das Seminarthema zuzuschneiden.

Ein Computer-Spezialist, indische Nationalität, 24 Jahre, ledig.Eine 19-jährige türkische Abiturientin mit muslimischem Hintergrund.
Eine 18-jährige deutsche Handelsschülerin mit guten Noten.Ein 20-jähriger Facharbeiter, befristeter Arbeitsvertrag (18 Monate), ledig, deutsch.
Eine 20-jährige Telekom-Auszubildende, wird nach der Ausbildung nicht übernommen.Die 28-jährige nicht erwerbstätige thailändische Ehefrau eines deutschen Omnibusfahrers.
Eine 19-jährige Punkerin, jobbt in der Kneipe, ledig.Eine 40-jährige schwarze Deutsche, Lehrerin, 2 Kinder.
Ein 32-jähriger wohnsitz- und arbeitsloser Fliesenleger.Eine 23-jährige Bankkauffrau, türkischer Herkunft, gläubige Muslimin, ledig.
Ein 17-jähriger Azubi der Kommunikationselektronik, ledig, schwul.Ein 46-jähriger kurdischer Besitzer eines Dönerimbisses.
Eine 17-jährige Abiturientin, deutsch, ledig, sitzt im Rollstuhl.Ein 18-jähriger marokkanischer Hilfsarbeiter mit Hauptschulabschluss, ledig.
Eine 75-jährige Rentnerin.Ein 18-jähriger deutscher, gehbehinderter Realschüler.
Ein 16-jähriger deutscher Hauptschüler vom Land, strukturschwache Region, noch keinen Ausbildungsplatz.Eine 17-jährige deutsche Gymnasiastin, ländliche Region.
Ein 21-jähriger Jura-Student, Regensburg.Eine 21-jährige alleinerziehende Mutter, ein Kind, lebt von Sozialhilfe.
Ein 22-jähriger Albaner, Flüchtling, wegen drohender Abschiebung untergetaucht, jetzt illegal in Deutschland, jobbt auf dem Bau.Ein 16-jähriger togolesischer Flüchtling, ohne Eltern geflüchtet, Asylbewerber in Deutschland, lebt in einem Asylbewerberheim auf dem Land.
Eine 19-jährige Einzelhandelskauffrau Auszubildende aus Bayern, verlobt.Ein 40-jähriger polnischer Saisonarbeiter, verheiratet, Familie in Polen.

 

TIPS FÜR DIE TEAMER/-INNEN

Die Aktivität ruft eigene Erfahrungen mit Handlungsbeschränkungen und Konkurrenz ins Gedächtnis, kann aber auch dazu führen, dass Bedingungen des legitimen Ausschlusses der Mitkonkurrenz (z. B. von Migrantund Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt) formuliert werden. Deshalb sollte viel Zeit für die Auswertung sein, um unterschiedliche Bewertungen und ihre Konsequenzen diskutieren zu können.

 

„Ich bin glücklich auf dem Land, weil‘s immer a Gaude gibt.“
Celina