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Motivierendes Grußwort von Staatsminister Thorsten Glauber für die Veranstaltung „Anders Wohnen auf dem Land als Gemeinschaftsaufgabe“. Screenshot: Heiko Tammena.

Anschauliche Präsentation von Barbara Wunder aus ihrer Arbeit im Landkreis Donau-Ries: Was braucht das Wohnen der Zukunft?

Online-Veranstaltung u.a. mit Umweltminister Glauber: Anders Wohnen auf dem Land – eine Gemeinschaftsaufgabe für die Zukunft!

Eine ungewöhnliche Kooperation und motivierende gute Beispiele aus der Praxis erlebten die über 100 Teilnehmenden am 5. Mai bei der Online-Veranstaltung "Anders Wohnen auf dem Land als Gemeinschaftsaufgabe". Umgesetzt wurde die Veranstaltung vom Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Erstmals gelang bei dieser Fachveranstaltung auch die Zusammenarbeit mit der KLJB Bayern und der Bayerischen Architektenkammer.

Glauber: „Machen wir gemeinsam das Landleben zukunftsfest!“

Staatsminister Thorsten Glauber betonte in seinem Eingangs-Statement, es brauche neue, nachhaltige Ideen für den Wohnungsbau auf dem Land: „In mir schlagen drei Herzen: das des Klimaschutzministers, das als Architekt und das als Kommunalpolitiker.“ Es ginge ebenso um ressourcenschonendes wie bedarfsgerechtes Bauen. Er freue sich sehr, dass diese Veranstaltung Akteur*innen aus den verschiedensten Bereichen an einen Tisch bringe: „Machen wir gemeinsam das Landleben zukunftsfest!“ Zu den Teilnehmenden zählten Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, der Landjugend und weiterer zivilgesellschaftlicher Organisationen ebenso wie Architekt*innen.

KLJB-Landesvorsitzende Antonia Kainz freut sich darüber sehr, dass eine Idee aus einem Gespräch der KLJB mit Staatsminister Thorsten Glauber umgesetzt werden konnte: „Das Ziel ist erreicht, viele Interessensgruppen zusammenzubringen, die in Zukunft auch auf dem Land klimagerechte Wohnformen für alle Generationen denken und umsetzen wollen. Wir haben sehr viele gute Anregungen und Fachkenntnisse bekommen und freuen uns schon auf eine Fortsetzung. Als KLJB wollen wir die Ergebnisse unserer großen, vom Bayerischen Staatministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geförderten Forschungsstudie ‚Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt‘ ab 2024 mit einem Projekt ‚Stadt. Land. Wie?‘ in die Praxis umsetzen und mehr Jugendbeteiligung durch Musterbeispiele in zwei Landkreisen angehen.“

Als Präsidentin der Architektenkammer Bayern sagte Prof. Dr. Lydia Haack im Einstiegsimpuls: „Anders Wohnen auf dem Land – dieser Titel ruft zum Umdenken auf! Es muss gelingen, dass ländliche Räume auch langfristig attraktiv für junge Menschen sind und die Wohnformen vielfältiger werden. Wir als Architektenkammer stehen bei allen Projekten zur Seite, etwa mit der Beratungsstelle BEN für Energie und Nachhaltigkeit.“

 

Der zentrale Impuls zur Tagung mit dem Beitrag “Wohnen der Zukunft – wie und warum anders?” kam von Barbara Wunder, Konversionsmanagerin im Landkreis Donau-Ries und Kreis- und Stadträtin, die auch als Lehrbeauftragte der Hochschule Triesdorf und der Universität Bayreuth tätig ist. Sie skizzierte anschaulich die aktuellen Trends, etwa die „verstärkte Nachfrage nach flexiblen, gut ausgestatteten und bezahlbaren Wohnformen auf dem Land.“ Neue Lebensformen bräuchten neue Wohnformen. Gemeinsam anpacken ließe sich das mit den Werkzeugen der Regionalentwicklung, etwa dem ILEK oder ISEK, einem Integrierten Ländlichen bzw. Städtischen Entwicklungskonzept im Sinne eines strategischen Leerstandsmanagements.“

Aus der Sicht der jungen Generation schilderte die aus der KLJB kommende Gemeinderätin Franziska Gerstmeier (Junge Bürgerliste Buchdorf, Landkreis Donau-Ries) ihre Erfahrungen auf dem Land: „Viele in meiner Generation wollen und können sich ein Einfamilienhaus nicht mehr leisten. Sie suchen neue Wege und flexiblere Wohnformen.“ Größere Projekte für Jung und Alt könne dabei eine kleine Gemeinde nicht stemmen und brauche dafür gute Partner*innen von außen. Bessere Anreize brauche es auch für Eigentümer*innen, die sich oft aus verständlichen Gründen nicht für eine Vermietung entscheiden wollen.

 

Gute Beispiele aus Münsing und Kirchanschöring

Eindrückliche praktische Erfahrungen mit neuen Projekten auf dem Land brachten abschließend zwei gelungene Praxisbeispiele in Oberbayern:

Das Gemeinschafts-Wohnbauprojekt Pallaufhof in Münsing stellte Stefan Kohlmeier (Arc Architekten, Bad Birnbach) als durchdachte Lösung für einen großen innerörtlichen Altbau vor. Das von der Gemeinde auf einer brachliegenden Baulücke im Ortskern initiierte Mehrgenerationenprojekt versucht, dem auch auf dem Land vorhandenen Wandel der Lebensstile und Haushalte mit unterschiedlichen Wohnungstypen und -größen zu entsprechen.

Gute Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung schon ab dem Kindesalter und Projekten für zukunftstaugliches Bauen und Wohnen in Kirchanschöring stellte Hans-Jörg Birner, Erster Bürgermeister, vor. Neue Wohnideen und -formen stehen auch hier im Mittelpunkt.

 

Die Erfahrungen aus beiden Orten stießen auf großes Interesse und machen neugierig auf weiteren Austausch zum Thema.

Die Veranstalter*innen zogen ein sehr positives Fazit des Austausch-Formats und kündigten an, sich in weiteren Veranstaltungen mit den angesprochenen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Sie luden ein, „Anders Wohnen“ weiter zum Thema vor Ort zu machen und mit der Umsetzung voranzukommen.

 

Eine passende Möglichkeit stellten dabei auch Daniela Sandner und Dr. Martina Neumair-Thalhammer vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege vor. Sie planen am 3. Oktober 2023 eine Busexkursion zu mehreren jungen Projekten für Gemeinschafts-Wohnen in Franken, die „Anders Wohnen auf dem Land“ bereits umsetzen und freuen sich über alle Interessierten. Informationen zum Termin folgen auf www.heimat-bayern.de.

Auch in der ZnK-Reihe der Virtuellen Einsteigertage wird das Thema Innenentwicklung und Flächensparen im Juli aufgegriffen. Unter www.kommunal-nachhaltig.de/einsteigertage finden sich in Kürze alle Informationen dazu.

 

Interessierte, die mehr über geplante Veranstaltungen zum Thema erfahren oder die Dokumentation der Veranstaltung erhalten möchten, können sich an das Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung wenden:

 

 

Pressebericht als pdf-Datei mit Kontakdaten der Kooperationspartner 

„Ich bin glücklich auf dem Land, weil man bei uns no weiß, dass Kühe ned lila san.“
Laura