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„Politiker sind normale Menschen“

16 junge Erwachsene blicken hinter die Kulissen des Landtags Drei Tage lang begleiteten 16 junge Frauen und Männer letzte Woche Landtagsabgeordnete aller fünf Fraktionen bei ihrer täglichen Arbeit. So erhielten sie exklusive Eindrücke vom politischen Leben und Arbeiten im Bayerischen Landtag. Möglich machte das die Veranstaltung Landtag Live, die die Kolpingjugend (KJ) in Bayern und die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Bayern gemeinsam organisiert hatten.

 

„Die Abgeordneten haben uns ernst genommen und zugehört“ strahlt Raphael Hupe, Landesleiter der Kolpingjugend in Bayern und selbst Teilnehmer der Veranstaltung. „In der CSU-Fraktionssitzung wurden wir nach unserer Meinung zu Killerspielen gefragt.“ Hupe hatte drei Tage lang Dr. Thomas Goppel begleitet – im Landtag und auf Außenterminen. Der zeigte sich begeistert: „Wir alten Knacker analysieren alles von unserer Warte aus – dabei müssen wir viele Probleme aus der Perspektive der Jugendlichen sehen.“ Auch die übrigen 15 Teilnehmenden nahmen unterschiedlichste Eindrücke mit: „Dass es im Landtag so stressig ist, das hätte ich nicht erwartet. Die Abgeordneten müssen unheimlich viel Energie haben!“ berichtet Regina Anzeneder, Diözesanvorsitzende der KLJB Passau und unterwegs mit Julika Sandt, der jugendpolitischen Sprecherin der FDP.

Politik ist Leidenschaft
Die jungen Leute waren durchweg begeistert von der Offenheit ihrer Abgeordneten und der Möglichkeit, drei Tage lang Mäuschen zu spielen: Sie nahmen an Fraktions-, Ausschuss- und Arbeitskreissitzungen teil, beobachteten die Plenarsitzung von der Tribüne aus, erlebten ihre Abgeordneten im Gespräch mit der Presse, mit Interessenvertretern, bei der Arbeit im Büro. „Es sind unheimlich viele Themen und viele Termine, mit denen die Politiker zurecht kommen müssen. Das ist schon beeindruckend,“ erzählt Andrea Pfaller, KLJB-Mitglied aus der Diözese Eichstätt. Günther Felbinger von den Freien Wählern, mit dem sie unterwegs war, ergänzt: „Ich kann mir vorstellen wie es den jungen Leuten von Landtag Live geht. Auch für mich als neues Mitglied des Landtags ist jeder Tag ein Lerntag. Ich finde es toll, dass die jungen Leute sich so mit Politik auseinandersetzen. Landtag Live ist eine klasse Aktion!“ Auch Kathrin Sonnenholzner von SPD lobt die Aktion: „Die Begegnung mit jungen Menschen ist immer sinnvoll: Sie zeigt deren spezielle Sicht auf Themen.“ Differenzierter sieht es Ludwig Hartmann, jugendpolitischer Sprecher der Grünen: „Ich glaube schon, dass ich den Abgeordnetenalltag gut vermitteln konnte. Aber die Begeisterung für die politische Arbeit, warum ich das mache – das ist schwierig. Das verstehen ja oft nicht einmal meine Freunde.“

Jugendverbände bilden
Die Jugendlichen waren sich am Ende einig: Sie würden es wieder tun! Die Woche hat bei allen persönlich viel bewirkt und ganz neue Bilder von Parteien und Abgeordneten vermittelt. Auch die Politiker/-innen waren von der Woche begeistert. Einhellig stellten sie fest, dass es wichtig sei, dass Veranstaltungen wie Landtag Live gemacht würden, auch um der so genannten Politikverdrossenheit entgegen zu wirken. Und nicht nur die jugendlichen Teilnehmer/-innen lernen viel bei Landtag Live, auch die Akteure im Landtag erleben im persönlichen Gespräch mit engagierten Ehrenamtlichen die von Jugendverbänden geleistete Jugendarbeit hautnah. Julika Sandt, jugendpolitische Sprecherin der FDP, lobte de Aktion: „Es war toll für mich zu sehen, wie sich die Kolpingjugend und die KLJB für die Stärkung und Vermittlung der Demokratie einsetzen.“

Europa und die EU
Bevor die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf ihre Abgeordneten trafen, wurden sie von Reinhold Bocklet, dem ersten Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags, empfangen. Er diskutierte mit ihnen über Europa und EU. Die jungen Leute interessierte besonders, warum es so schwierig sei, der EU ein positives Image zu geben. Das liege vor allem daran, erklärte Bocklet, der von 1998 bis 2003 Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und von 1994 bis 2003 Mitglied des Ausschusses der Regionen der EU war, dass Europa hauptsächlich eine "Kopfsache" und keine Herzensangelegenheit sei. „Ich bin Europäer als Deutscher. Es bedarf also einer intellektuellen Anstrengung, sich für Europa zu begeistern.“

Rahmenprogramm
Bereits zum vierten Mal seit 2003 fand die Kooperationsveranstaltung statt. Wie immer wurden die interessierten jungen Leute gut auf die drei Tage mit den Abgeordneten vorbereitet: Zuerst besuchten sie die Bayerische Staatskanzlei, dann erhielten sie eine Einführung in das politische System des Freistaates Bayern bei der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung, die die Aktion wieder gemeinsam mit der bei der Kolping-Stiftung Augsburg angesiedelten Dr. Bruno-Merk-Stiftung möglich gemacht hatte. Zum Schluss  gewährten ihnen Landtagskorrespondenten für Zeitung, Radio und Fernsehen Einblicke in ihre Arbeit.

 

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„Ich bin glücklich auf dem Land, weil man die idyllische Ruhe genießen kann.“
Thomas