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„So große Schweine habe ich noch nie gesehen!“

Sechs Mitglieder der Senegalesischen Landjugendbewegung UJRCS waren drei Wochen zu Besuch bei ihrer Partnerorganisation, der KLJB Bayern. Neben Partnerschaftsgesprächen, gemeinsamem Arbeiten auf bayerischen Bauernhöfen und einem Nachmittag auf dem Münchner Oktoberfest ging es auch darum, wie im Senegal und in Bayern der katholische Glaube gelebt wird.

Nur fünf Prozent der Bevölkerung im westafrikanische Statt Senegal ist katholisch – die meisten dort sind Moslems. „Vielleicht ist diese Diasporasituation ein Grund dafür, dass wir unseren Glauben sehr erst nehmen,“ überlegt Mélanie Faye, die Nationalpräsidentin der UJRCS (Union de la Jeunesse Rurale Catholique du Sénégal). Man gehe jeden Sonntag zur Kirche, es würden neue Pfarreien gegründet und es gebe im Verhältnis viel mehr Priester, berichtet sie. In einem Studienteil „Katholisch-Sein im Senegal und in Bayern“ sprachen die Workcamp-Teilnehmer/-innen darüber, wie sie ihren Glauben leben. Dabei wurde deutlich, dass die senegalesischen Katholiken öfter Gottesdienste feiern und regelmäßig zur Kirche gehen, während die Deutschen ihre Kirche auch einmal kritisieren und ihren Glauben eher persönlich ausleben. „Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland der Glaube viel individualisierter ist“ fasst Abé Thomas Daquin Faye, UJRCS-Diözesanseelsorger aus Dakar, zusammen. Bei der Feier einer gemeinsamen Lebensfeier der senegalesischen und bayerischen jungen Leute zeigte sich aber: Der gemeinsame Glaube verbindet. Gemeinsam beten und Singen schafft eine Verbindung jenseits der Worte.  Diese Verbindung ist die Basis der Partnerschaft der beiden Jugendverbände. „Ich habe mich wie unter Freunden gefühlt, als hätte ich die Leute schon vorher gekannt,“ freut sich Eugenie Faye aus der Diözese Thiès.

Miteinander arbeiten, voneinander lernen
Genauso wichtig wie der gemeinsame Glaube ist das gemeinsame Arbeiten: Ob auf dem Partnerschaftsfeld  bei Thiès im Senegal oder auf bayerischen Bauernhöfen. In der zweiten Woche des dreiwöchigen Austausches lebten die sechs jungen Leute aus dem Senegal auf drei bayerischen Bauernhöfen: Bei der Familie Reichl in Schwindegg, Diözese München und Freising, bei Familie Reintke in Aham, Diözese Regensburg und bei Familie Wieland in Stammheim, Diözese Würzburg. Schnell wurden die Unterschiede in der Landwirtschaft der beiden Länder deutlich: „Hier wird vieles mit Maschinen gemacht, zum Beispiel das Melken. Es gibt riesige Ställe für viele Tiere – bei uns hat jeder Bauer nur wenige Tiere, meist Ziegen und Hühner, die frei um das Haus herum laufen,“ so Eugenie Faye. Und Délphine Coly ergänzt: „So große Schweine wie hier habe ich noch nie gesehen!“ „Und ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Traktor fahren kann“ strahlt Pierre Gning.  Sie sind beeindruckt von den bayerischen Dimensíonen. Bei der Karottenernte aber stellen sie fest: „Das geht bei uns genau so!“ Die Deutschen wiederum waren beeindruckt vom Fleiß der Senegalesen und davon, wie sie „einfach loslegen und arbeiten, ohne sich zu sehr unter Druck zu setzen. Sie teilen sich die körperliche Kraft besser ein und haben oft gesagt: ‚Los kommt, wir müssen noch `was tun’. Sie haben einen unwahrscheinlichen Arbeitswillen,“ berichtet der Winzer Franz Wieland, in dessen Weinberg die Gruppe Wein für den Federweissen geerntet hat. Nicola Goltsche, eine deutsche Teilnehmerin des Workcamps, ist begeistert davon, „wie man sich verstehen kann, auch ohne die jeweilige Sprache zu sprechen.“ Das bestätigt auch Parfait Ciss: „Die Kommunikation war nicht immer einfach, aber das wichtigste ist – wir haben uns verstanden!“

Wiesnchefin Weishäupl empfängt senegalesische Landjugendliche
„Ich finde das Oktoberfest toll, weil hier Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen und alle so fröhlich sind,“ schwärmt Pierre Gning aus der Diözese Dakar. In bayerischer und senegalesischer Tracht schlenderten die Teilnehmer/-innen des Workcamps am 21. September – ihrem letzten Tag in Bayern - über die Wiesn. Tourismuschefin Dr. Gabriele Weishäupl hieß alle herzlich willkommen, wünschte den Gästen aus Westafrika viel Vergnügen und spendierte allen eine Fahrt mit dem Riesenrad. Die jungend Leute aus dem Senegal staunten über die Fahrgeschäfte, die riesigen Bierzelte und die massigen Brauereipferde. „Gut, dass sie schon knapp drei Wochen in Bayern verbracht hatten – das milderte den Kulturschock,“ erklärt Monika Aigner, die Referentin für Internationales der KLJB Bayern. „Man merkt, dass wir aus zwei verschiedenen Kulturen kommen. Solche Austauschprogramme bieten die Möglichkeit, Grenzen zu überwinden und Vorurteile abzubauen.“  

Die Partnerschaft der KLJB (Katholische Landjugendbewegung) Bayern mit der UJRCS (Union de la Jeunesse Rurale Catholique du Sénégal) besteht seit über 50 Jahren und wird durch regelmäßige Treffen in Bayern und im Senegal gepflegt.

Teilnehmer/-innen aus dem Senegal (mit Diözesen):

  • Mélanie Faye, présidente de l’UJRCS, Thiès
  • Abbé Thomas Daquin Faye, aumônier, Dakar
  • Pierre Mbissane Gning, Dakar
  • Parfait Ciss, Saint Louis
  • Delphine Coly, Kaolack
  • Eugenie Hèlène Faye, Thies

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Nicole