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Wir fordern eine wohnortnahe Schule! Jugendkonferenz erarbeitet Ideen zum ländlichen Raum

Auf der Jugendkonferenz „Junge Ideen zum ländlichen Raum“, die die KLJB (Katholische Landjugendbewegung) Bayern vom 4. bis 6. Dezember in Josefstal am Schliersee veranstaltet hat, trafen sich 22 Jugendliche und junge Erwachsene, um Ideen und Forderungen für das Leben auf dem Land zu entwickeln. Am Sonntag übergaben sie ihre Forderungen an Landtagspolitiker/-innen. Heiß wurde das Thema Bildung diskutiert, außerdem ging es um die Themen Nahversorgung, Verkehrs- und soziale Infrastruktur und politisches Engagement.

 

„Wir fordern eine wohnortnahe Schule! Gerade auf dem Land ist es wichtig, eine Schule vor Ort zu haben, um umfassende Bildung im ländlichen Raum zu ermöglichen.“ So lautet eine der vielen Forderungen, die die KLJB-Mitglieder am vergangenen Wochenende formuliert hatten. Das sieht auch Dr. Christian Magerl (Bündnis90 /Die Grünen) so: „Wir brauchen völlig neue Konzepte, wenn wir die Schule vor Ort halten wollen. Und wir müssen die Schule vor Ort halten. Das wird eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre!“
Die Teilnehmer/-innen der Jugendkonferenz sehen hier Chancen in einer längeren gemeinsamen Schulzeit, mehr Fachkräften und einem Schulkonzept, das Freiräume für informelles Lernen schafft.
Hans-Ulrich Paffmann (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses,  betonte: „Was wir brauchen, ist eine gänzlich andere Pädagogik: Jahrgangsübergreifend, inklusiv. Dann können auch kleine Schulen erhalten bleiben.“ Und Eva Gottstein, Bildungsexpertin bei den Freien Wählern unterstrich, „Bei der Schule dürfen die Gelder nicht fehlen!“

Nahversorgung
Regionale Wirtschaftskreisläufe müssen nach Ansicht der Konferenzteilnehmer/-innen gefördert werden, „Wohnen, arbeiten und leben muss im ländlichen Raum nachhaltig miteinander verbunden werden!“ Rudolf Heiler, Vorsitzender des Oberbayerischen Gemeindetages und Bürgermeister von Grafing, betonte, „man muss die Regionen als eigenständigen Raum betrachten.“ Klaus Steiner (CSU), Mitglied in den Ausschüssen Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Bildung, Jugend und Sport, gab zu bedenken, dass viele Betriebe nicht überleben könnten, wenn sie sich nur auf regionale Märkte beschränkten.
Außerdem sollen Verbraucher/-innen nach dem Willen der KLJB-Mitglieder verstärkt über regionale Produkte aufgeklärt werden und ihnen der bewusste Einkauf beispielsweise mit Hilfe eines regionalen Siegels einfacher gemacht werden. Diese Forderungen unterstützte Magerl: „Der Verbraucher muss wissen, was drin ist!“ Pfaffmann hielt dagegen: „Regionaler Einkauf ist nicht eine Frage der Kennzeichnung, sondern eine Frage des eigenen Verhaltens und des sozialen Standards.“

Infrastruktur
„DSL ist öffentliche Daseinsversorgung “ erklärte Heiler und unterstützt damit die KLJB-Forderung nach einem gesetzlichen Anspruchs jedes Bürgers und jeder Bürgerin auf eine Breitbandversorgung im Rahmen der Grundversorgung. Außerdem müsse, laut Forderungskatalog, der ÖPNV ausgebaut werden: Erhöhung der Frequenz bei Busverbindungen, einfacheres Tarifsystem, günstigere Preise und kostenlose Fahrradmitnahme. Pfaffmann unterstützte dieses Forderung: „Wer Milliarden für die Landesbank hat, muss auch Geld dafür haben.“ Steiner erklärte, die Forderung nach einem Ausbau der Autobahnen komme von der Wirtschaft  - und die schaffe nun mal Arbeitsplätze in der Region.

Politisches Engagement – Potentiale des ländlichen Raumes
Wichtig war den Konferenzteilnehmern und –teilnehmerinnen, nicht nur von der Politik zu fordern, sondern die Menschen auf dem Land zu aktivieren. „Die Menschen mit ihrem Engagement und ihren Fähigkeiten sind ein großes Kapital. Viele Dorfgemeinschaften sind von Vernetzung und Zusammenarbeit geprägt.“ so ist es im Papier zu lesen. Steiner resumierte: „Die Potentiale des ländlichen Raumes sind gigantisch; es braucht manchmal eine Initialzündung der Politik oder der Bürger.“ Sebastian Maier, Landesvorsitzender der KLJB Bayern und Mitorganisator der Jugendkonferenz, fasst zusammen: „Politiker und KLB’ler waren sich einig: Die Politik kann Rahmenbedingung schaffen und unterstützen. Wichtig sind aber auch die Menschen, die auf dem Land leben. Ohne ihr bürgerschaftliches Engagement geht es nicht. Wir fordern deshalb mehr Anerkenung des Ehrenamtes, mehr Mitbestimmungsrechte für junge Leute und eine bessere finanzielle Ausstattung der Jugendverbandsarbeit.“


Infos zur Jugendkonferenz:

 

Teilnehmer/-innen:
22 KLJB-Mitglieder zwischen 15 und 28 Jahren aus ganz Bayern.

Politiker:

  • Klaus Steiner (CSU), Mitglied in den Ausschüssen Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Bildung, Jugend und Sport
  • Hans-Ulrich Paffmann (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport
  • Dr. Christian Magerl (Bündnis90/Die Grünen), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit
  • Eva Gottstein (Freie Wähler), Mitglied des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport, Mitglied der Kinderkommission des Bayerischen LandtagsRudolf Heiler, Vorsitzender des Oberbayerischen Gemeindetages und Bürgermeister von Grafing

Ablauf:
Am Freitag Abend führte Silke Franke von der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum in das Thema ein, den ganzen Samstag erarbeiteten die jungen Leute zum Teil Workshops den Forderungskatalog, den sie am Sonntag den Politiker/-innen übergaben.

Workshops:

Verkehrsinfrastruktur
soziale Infrastruktur
Nahversorgung
Bildung

 

Ergebnisse der Workshops

„Ich bin glücklich auf dem Land, weil man seine Nachbarn no kennt.“
Manuel